Kurzbeschreibung des 60mm Makroobjektivs von Oshiro.

 

Oshiro Bild 1 Oshiro Bild 2

 

In verschiedenen Foren trifft man immer wieder auf die z.T. überaus günstigen Objektive der Fa. Oshiro. Insbesondere das 60mm f/2,8 2:1 LD UNC Makroobjektiv hat mein Interesse geweckt und ich habe mir das Objektiv bestellt. Besonders Interessant finde ich dabei den extremen Makrobereich von 1:1 bis 2:1 und ich war gespannt, welche Bildqualität bei einem so günstigen Objektiv zu erwarten ist.

Das Objektiv selbst ist zumindest im Makrobereich an Canon Kameras sogar vollformattauglich. Hier ist jedoch Vorsicht geboten, denn bei weiteren Fokusdistanzen schlägt der Spiegel der Kamera beim Auslösen an den Objektivtubus an. Die Kamera kann daher nicht wirklich auslösen und das Geräusch, welches dabei entsteht erfreut den Besitzer der Kamera eher nicht.

Optisch macht das Objektiv eigentlich einen recht guten Eindruck und es hat eine verblüffende Ähnlichkeit mit dem mehr als doppelt so teuren Laowa 60mm f/2.8 2X Ultra-Macro von Venus Optics. Ob es sich dabei um einen Nachbau handelt kann ich nicht beurteilen, doch neben dem Aussehen sind auch die technischen Spezifikationen weitgehend identisch. Beide Objektive haben 9 Linsenelemente in 7 Gruppen, sowie 14 Blendenlamellen, einen manuellen Fokus und beide funktionieren im Vollformat nur im Makrobereich. Für einen direkten Vergleich der Bildqualität beider Objektive fehlt mir leider das Laowa 60mm.

Auch haptisch überzeugt das Oshiro durchaus. Nichts klappert oder wackelt und es fühlt sich mit seinen rund 500g Gesamtgewicht sehr wertig an. Der Schärfering dreht sich ohne Spiel, wenngleich er etwas leichtgängiger sein könnte und auch der Blendenring lässt sich gleichmäßig drehen, rastet jedoch nicht ein (und ist auch nicht arretierbar). Das EF-Bajonett arretiert das Objektiv passgenau an der Kamera ohne zu verklemmen oder zu verkanten.

 

Als das Objektiv bei mir ankam habe ich einige Testaufnahmen im Bereich 1:1 bis 2:1 und im Portraitbetrieb (nur APS-C) vorgenommen. Als Referenzobjektiv für die Bildqualität musste mein Tamron 90mm f/2,8 Di Macro, 1:1 VC USD (F017) herhalten, welches das Oshiro erwartungsgemäß nicht toppen konnte.

 

Aufnahmen an APS-C Kameras

Im Portraitbetrieb empfinde ich das Oshiro im Bereich Bildschärfe und Details etwas schwach, wobei man eine gewisse Weichzeichnung hier u. U. auch als Stilelement verstehen kann. Die Aufnahmen haben dadurch eine minimale zarte Verspieltheit und damit fast so etwas wie eine eigene Note. Die Farben sind gut wiedergegeben, eine nennenswerte Verzeichnung oder Vignettierung ist nicht erkennbar. Da ich auf meinen Webseiten keine Bilder von Personen veröffentliche gibt es für diese Rubrik auch leider keine Beispielbilder. Es ist eigentlich klar, dass mein Tamron 90mm das Oshiro in Sachen Bildschärfe hier deklassiert.

Nachtrag: in letzter Zeit ertappe ich mich allerdings dabei, dass ich für Portraits manchmal gezielt zum Oshiro greife wenn das Portrait explizit etwas weicher sein soll (z.B. Hochzeitsfotografie).

 

Makros an APS-C sind nach meiner Überzeugung der sinnvollste Anwendungsbereich des Oshiro. Hier bietet das Objektiv die Möglichkeit mit wenig Gepäck sehr kleine Dinge groß und in einigermaßen angemessener Qualität abzubilden. Wer höchste Ansprüche an die Bildqualität bei seinen Makros hat, wird sowieso anderes Equipment mit sich herumschleppen. Der fehlende Autofokus stellt hierbei nach meiner Ansicht kaum eine Einschränkung dar, da man problemlos durch vor- und zurückbewegen der Kamera fokussieren kann. Je näher es in Richtung 2:1 geht, umso problematischer wird allerdings das Fokussieren aus der Hand.

 

Aufnahmen im Vollformat

Im Makrobetrieb wird die Schärfentiefe speziell am Kleinbildsensor derart winzig, dass zwischen 1:1 und 2:1 kaum mehr scharfe Bilder aus der Hand zu machen sind. Selbst mit Stativ und Makroschlitten muss man sehr viel justieren um den Schärfepunkt exakt zu setzen. Wenn das Motiv nicht absolut flach und rechtwinklig zur Bildebene liegt, kommt man um ein Stacking der Bilder kaum noch herum (sobald ich die Zeit finde mal ein gestacktes Bild mit dem Objektiv zu erstellen werde ich es hier veröffentlichen, versprochen...). Damit man die Schärfentiefe über eine kleine Blende auf ein erträgliches Maß bekommt, ist in der Regel auch zusätzliches Kunstlicht erforderlich. Allerdings beginnt das Oshiro im Makrobereich bei Blende 11 bereits eine deutliche Beugungsunschärfe zu entwickeln und Blende 22 ist für qualitativ hochwertige Bilder hier kaum noch eine Option.

Bei Makros am Vollformat kämpft der Fotograf mit dem Oshiro also stets um Bildschärfe, was natürlich speziell im Extremmakrobereich auch mit anderem Equipment der Fall ist. Sicher gibt es hier leistungsfähigere Alternativen, die jedoch häufig in ganz anderen Preisklassen spielen.

 

Mein persönliches Gesamtfazit: Für den Preis von ca. 150€ definitiv eine Kaufempfehlung für Einsteiger oder Personen die etwas in den Makrobereich über 1:1 reinschnuppern wollen (oberhalb 1:1 ist der Einsteiger vermutlich mit einer ordentlichen Festbrennweite und Zwischenringen vielseitiger unterwegs). Der ambitioniertere Makrofotograf wird sich früher oder später nach hochwertigeren Lösungen umsehen.

 

Textbeispiel Oshiro 1:1 f11,0  
Münze Oshiro 1:1 f8,0  
Textbeispiel Oshiro 2:1 f8,0  
Münze Oshiro 2:1 f8,0 (Bildausschnitt)  
Textbeispiel Tamron 90mm 1:1 f8,0  
Beispielbilder werden demnächst überarbeitet  

 


Frank Theisohn, 2018