Koordinatentisch für Makroaufnahmen mit Stacking-Technik

Wer häufiger Makroaufnahmen durchführt, wird stets mit dem gleichen Problem der geringen Schärfentiefe bei solchen Aufnahmen konfrontiert. Bereits beim Maßstab 1:1 bleibt dem Fotografen (je nach verwendetem System) nur ein winziger Bereich vollständiger Bildschärfe. Versucht man diesem Effekt durch die Verwendung kleiner Blenden (großer Blendenwerte) entgegen zu wirken, so wird sehr schnell die zunehmende Beugungsunschärfe zum Problem. Bei noch größeren Abbildungsmassstäben (3:1, 5:1) ist der  Fotograf oft mit Schärfebereichen von wenigen Mikrometern konfrontiert.

Als eine Lösung für dieses Dilemma bietet sich das sogenannte "Stacking" an. Dabei werden mehrere Aufnahmen mit jeweils verschobenem Schärfepunkt erstellt und diese dann mit einer Software zum finalen Bild verrechnet. Im Idealfall erhält man dabei eine Aufnahme, die in dem gesamten Bereich scharf ist. Das klingt zwar einfach - ist es aber nicht. Folgendes gibt es dabei zu beachten:

Das Motiv darf sich während der Aufnahmen nicht (auch nicht minimal) bewegen oder verändern.

Die Anzahl der benötigten Bilder und damit deren Fokusverschiebung muss gut überlegt sein. Sie hängt von der Breite des Schärfebereichs in dem einzelnen Bild sowie der Breite des benötigten Schärfebereichs im finalen Bild ab.

Die Aufnahmeparameter sollten sich innerhalb der Serie nicht verändern, daher sollte sich die Kamera im manuellem Modus befinden

Die Fokusverschiebung kann wie folgt realisiert werden:

  • durch Verschieben der Kamera: Für diese, recht häufig verwendete Methode ist diese Bauanleitung primär gedacht. Wichtig dabei ist, dass das Verschieben der Kamera exakt in Richtung der Aufnahmeachse in gleichmäßigen Schritten erfolgt.
  • durch Verschieben des Motivs: Hier gilt prinzipiell das gleiche wie für das Verschieben der Kamera, allerdings wird diese Methode nach meiner Kentnis nicht so häufig verwendet
  • durch Verstellen des Objektivfokus: Vorteilhaft beim Verstellen des Objektivfokus ist, dass kein Transportschlitten benötigt wird. Allerdings ist die Fokusverschiebung in gleichen Abständen kaum manuell zu realisieren. Wer diese Methode ausführen möchte, dem empfehle ich die Canon Kamerasoftware Magic Lantern (natürlich übernehme ich keine Haftung für die Installation dieser Software). Fokusstacking mit Magic Lantern hat bei mir ganz gut geklappt, ich bevorzuge dennoch das Verschieben der Kamera. Inzwischen gibt es auch sog. Kameratrigger, die ein Fokusstacking automatisiert übernehmen können (z.B. Arsenal Trigger). Ob sich diese Trigger für ein Stacking im Makrobereich eignen konnte ich bisher jedoch leider nicht testen.

Auf die Berechnung des Finalbildes gehe ich hier nicht näher ein - schließlich ist das eine Bauanleitung. Vielleicht gibt es in Zukunft ein eigenes Kapitel dazu...


Das exakte Verschieben des kompletten Kamerasystems erfordert eine hochwertige, stabile und in der Regel recht teuere Mechanik. Günstige Kameraschlitten bieten in der Regel nicht die erforderliche Präzision oder Stabilität und führen zum Frust beim Stacking. Noch problematischer wird das Ganze bei der Verwendung eines (eigentlich sehr praktischen) Kreuzschlittens. Solche Schlitten erlauben das Verschieben der Kamera in Motivrichtung sowie quer zum Motiv zur exakten Ausrichtung. Allerdings verlieren zwei übereinander liegende Schlitten konstruktionsbedingt nochmals an Stabilität. Aus diesem Grund sind Profischlitten relativ teuer.

Eine recht günstige Alternative (unter 100,00 €) findet sich jedoch im Handwerkerbedarf. Ich verwende derzeit als Verschiebesystem einen Proxxon MICRO- Koordinatentisch KT 70. Dieser Tisch ist recht solide gebaut und lässt sich in 0,05mm Schritten in zwei Achsen recht exakt verschieben. Dabei trägt der Tisch bei mir das recht hohe Gewicht von Camera mit Batteriegriff, Balgengerät und Objektiv problemlos.

Den Koordinatentisch habe ich dazu auf eine ausreichend große Grundplatte montiert (bei mir aus schwarz lackiertem Holz). Hier bitte auf die Ausrichtung achten, das Handrad zur Längsverschiebung muss hinter der später montierten Kamera liegen. In die mittlere T-Nute des Tisches wird eine passende Gewindemutter eingeführt und eine ARCA-Swiss Adapterplatte (mit Schnellspanner) mit einer passenden Gewindeschraube von oben auf dem Tisch verschraubt. Auch bei diesem Schritt muss genau darauf geachtet werden, dass die Wechselplatte in Richtung des Koordinatentisches ausgerichtet ist. Wenn die Kamera nicht exakt in Verschieberichtung des Tisches montiert ist, sind die Bildserien später nicht zu gebrauchen. Die Wechselplatte sollte ferner so weit vorne mit dem Tisch verschraubt werden, dass das später montierte Kamerasystem nicht das Handrad blockiert.

Foto folgt

In diese Adapterplatte können nun wechselweise verschiedene Aufbauten zur Makrofotograpie sehr schnell eingeklemmt und gewechselt werden.

Foto folgt

Jetzt kann die montierte Kamera über das seitliche Handrad quer zur Bildrichtung ausgerichtet werden. Das Verschieben der Fokussierebene erfolgt über das hintere Handrad in Schrittweiten, die über die Skala ablesbar sind.

Anmerkung: Den MICRO-Koordinatentisch KT 70 gibt es jetzt auch als KT 70/CNC-ready (mit zwei Schrittmotoren für die Achsen). Vielleicht hat ja jemand Lust eine Bauanleitung für einen elektronisch geführten Stacking-Tisch zur entwerfen?


Frank Theisohn, 2018