Aufbau eines FD-Balgengerätes für Cameras mit dem EF-Objektivanschluß

Inzwischen gibt es eine ganze Reihe Balgengeräte, die sich für den Anschluss am Canon EF-Bajonett eignen. Balgengeräte die bereits ab Werk über einen EF-Anschluss verfügen sind jedoch nicht selten recht teuer oder von geringer Qualität. Insbesondere die Systeme, die eine Übertragung der Kameraautomatik erlauben (Springblende) haben in der Regel einen hohen Preis. Dabei lässt es sich im Makrostudio meist problemlos mit einer manuellen Objektivsteuerung arbeiten.

Alternativ können natürlich auch Balgengeräte mit anderen Bajonattanschlüssen über Adapter verwendet werden. Meist sind in diesem Fall zwei Adapter (Kameraadapter und Objektivadapter) erforderlich. In dieser Anleitung jedoch wird die Verwendung eines Canon FD-Balgengerätes mit FD-Objektiv beschrieben. D.h. es wird hier nur 1 Adapter von EF auf FD benötigt. Besonders interessant ist die Konstruktion für Personen, die noch im Besitz älterer (geeigneter) FD-Objektive sind, die hierfür verwendet werden können.

Das in dieser Anleitung verwendete Canon FD Balgengerät ist inzwischen recht günstig gebraucht zu erwerben (derzeit um die 100 €). Häufig sind diese Geräte kaum benutzt und recht gut erhalten. Zudem wurden diese FD-Balgen von Canon qualitativ sehr hochwertig und präzise gefertigt. Achten sie darauf, dass ihr Exemplar einen möglichst unbeschädigten Schlitten besitzt - der Antrieb sollte ohne zu ruckeln gleichmäßig vor- und zurückfahren. Selbstverständlich darf der Auszug des Balgens auch nicht beschädigt sein. Ferner sollte dem Balgengerät der für die Springblendenfunktion wichtige Doppeldraht-Auslöser beiliegen. Mit diesem Auslöser kann man vor der Aufnahme von der Offenblendeneinstellung auf die gewählte Arbeitsblende umschalten ohne das Komplettsystem zu verwackeln.

 

Hier also ein Überblick über die benötigten Teile:

Canon FD Balgengerät

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Bei Verwendung von FD-Objektiven ein Canon Doppeldrahtauslöser passend zu o.a. Balgengerät

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EF auf FD Bajonettadapter (von EF Kameraanschluß auf FD-Objektiv) ohne Korrekturlinse
 

 

Ein für Makroaufnahmen geeignetes FD-Objektiv. Derzeit verwende ich ein Canon newFD 50mm 1:1,4. Diesbezüglich werde ich nach Abschluss meiner Testphase hier weitere Empfehlungen veröffentlichen.

Die Montage des Systems ist dann sehr einfach. Das Balgengerät wird über den Adapter an die Kamera angeschlossen. Als Makrokamera eignen sich alle EOS-Kameras mit EF-Bajonett. Der Adapter benötigt keine Korrekturlinse, da das gegenüber dem FD-System veränderte Auflagenmaß im Makrobereich kein Problem darstellt. Eine Korrekturlinse würde sich daher nur qualitätsmindernd auswirken. Je nach Ausführung des Adapters muss dieser an einem drehbaren Ring noch in Position "Lock" gestellt werden.

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Am anderen Ende des Balgen wird das FD-Objektiv montiert. Dort findet sich auch das Anschlussgewinde des Drahtauslösers. Der Drahtauslöser selbst besteht aus 2 Auslösedrähten. Montieren sie den Draht xyz am Balgengerät, der zweite Draht bleibt ungenutzt.

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Der komplette Aufbau sieht dann wie folgt aus:

 

 

 

Dieses Aufnahmesystem kann dann beispielsweise auf einem Stativ oder auf dem in Teil I beschriebenen Koordinatentisch montiert werden. Zur Montage auf dem Koordinatentisch muss an der Unterseite des Balgenschlittens lediglich eine ARCA-SWISS Platte montiert sein, die zu dem Adapter auf dem Koordinatentisch passt.

 

Bedienung des FD-Makro-Balgensystems

Das Makrosystem ist somit fertig und einsatzbereit. Bei häufigerem Einsatz des Systems ist es sicher sinnvoll dieses in ein "Makrostudio" zu integrieren. Dies beinhaltet einen Makrotisch auf dem die zu fotografierenden Objekte ausgerichtet werden können und eine entsprechende Beleuchtungseinrichtung (Makrolampe, Blitz oder Ringblitz).

Ist alles soweit vorbereitet, so muss die Kamera nur noch über den Koordinatentisch oder den Makroschlitten des Balgengerätes positioniert werden. Durch Veränderung der Auszugslänge des Balgens kann die Vergrößerung gewählt und fokusiert werden. Stellen Sie die gewünschte Blende am Blendenwahlring des Objektivs ein und schalten sie die Kamera in den manuellen oder Zeitautomatikmodus. Wählen sie am Besten einen mittleren Blendenwert (bei zu kleinem Blendenwert ist die Schärfentiefe meist zu gering, bei zu hohem Blendenwert wirkt sich schnell die Beugungsunschärfe auf die Qualität der Aufnahme aus).

Durch Drücken des Drahtauslösers kann die Schärfentiefe bei Arbeitsblende kontrolliert werden. Sind sie mit dem Setting zufrieden, aktivieren sie zunächst die Springblende über den Drahtauslöser und erstellen dann die Aufnahme mit einem Fernauslöser (oder Selbstauslöser, 10sec) der Kamera. Noch günstiger ist das Auslösen der Kamera über einen angeschlossenen Computer (oder Tablet), da sich die Schärfe auf einem größeren Bildschirm im Live-View-Modus der Kamera besser beurteilen lässt.

Zur Durchführung von Stacking-Aufnahmen kann man nun die Springblende geschlossen halten, das Makrosystem über den Koordinatentisch oder den Makroschlitten in gleichen Schritten verschieben und dann jeweils eine Aufnahme auslösen.

Anmerkung: Ich selbst bin in den letzten Monaten zunehmend auf sog. Vergrößerungsobjektive umgestiegen und verwende daher den Drahtauslöser kaum noch. Die Verwendung von solchen Vergrößerungsobjektiven erläutere ich im Teil III Vergrößerungsobjektive.