Anleitung zur Zusammenstellung eines Makroobjektives aus alten Canon FD-Objektiven für das Canon EF-System.

Seit ca. 1990 hat Canon die ürsprünglichen Objektive mit FD-Bajonett durch das aktuelle EF-System ersetzt. Viele Canon Besitzer haben noch einige dieser alten Schätze in ihrem Bestand. In der Regel fristen diese Objektive ein Schattendarsein, obwohl deren optische Qualität zum Teil exzelent war.

Das hat im wesentlichen folgende Gründe:

Das Bajonett der FD-Objektive ist nicht mit den EF-Systemen kompatibel. Insbesondere sind die FD-Objektive nicht mit einem Autofokus ausgestattet. Inzwischen gibt es zwar Adapter zu kaufen, allerdings müssen diese mit einer entsprechenden Korrekturlinse ausgestattet sein (oder die Kombination kann nicht auf unendlich fokussieren). Die Qualität der Aufnahmen mit Korrekturlinse ist hingegen sehr umstritten.

Eine weitere (und wie ich finde sehr interessante) Nutzungsvariante ist die Verwendung dieser FD-Objektive als Makroobjektiv in Retrostellung. Makroaufnahmen werden (aufgrund der sehr geringen Schärfentiefe) sowieso häufig manuel fokussiert, sodass der fehlende Autofokus weniger stört. Ferner sind in dieser Betriebsart keine weiteren optischen Elemente erforderlich, die die Bildqualität zusätzlich herabsetzen könnten.

 

Im Folgenden wird kurz erklärt, wie man sich ein solches Makroobjektiv günstig selbst zusammenstellen kann. Dabei sind keine besonderen Bastelkünste erforderlich und die Kosten belaufen sich auf ca. 20€. Im Beispiel verwende ich für den Umbau ein Canon NewFD 50mm 1:1,4. Natürlich sind hier auch andere Objektive verwendbar. Dabei gilt die Regel: je kürzer die Brennweite, desto größer der Abbildungsmaßstab, desto geringer die Schärfentiefe. Mit dem von mir verwendeten 50mm erhalte ich in etwa einen Maßstab von 1:1.

 

Der Umbau lässt sicht ganz einfach durch den Kauf der folgenden beiden Adapterringe realisieren:

EF auf FD Bajonettadapter (von EF Kameraanschluß auf FD-Objektiv) ohne Korrekturlinse
Dieser Adapter stellt die Blendenfunktion sicher, dient als rudimentäte Gegenlichtblende und
schützt die Anschlußelemente der Objektivs. Wichtig ist, dass der Adapter keine Korrekturlinse besitzt.
Das von mir verwendete Exemplar hat einen drehbaren Ring, der beim Drehen in "Lock" Position die
am Objektiv gewählte Arbeitsblende einstellt. Alternativ kann man einen solchen Adapter auch aus
einem FD-Objektivrückdeckel selbst basteln ...
 
 
EF-Retroadapter (manuel) mit dem zum FD-Objektiv passenden Schraubgewinde (bei 50mm 1:1,4 sind das 52mm)
Dieser Adapter verbindet das Objektiv (mit der Frontlinsenseite) mit dem EF-Bajonett der Kamera
   
   

Im folgenden Bild kann man nochmals erkennen, wie die Adapter zu montieren sind:

Das so umgebaute Objektiv kann jetzt an jede Kamera mit EF-Bajonett angeschlossen werden. Zu fotografieren muss die Blende am Objektiv manuell (am Blendenring) vorgewählt werden. Dabei hat sich ein Blendenwert zwischen 4 und 5,6 bei diesem Objektiv bewährt. Kleinere Blendenwerte führen zu einer (wie in der Makrofotografie üblich) sehr kleinen Schärfetiefe, zudem sind die Abbildungsleistungen des Objektivs bei sehr weit geöffneter Blende nicht so toll. Bei Blendenwerten ab 8,0 beginnt sich hingegen schon die Beugungsunschärfe auszuwirken. Nach der Wahl der Blende muss der Adapterring (ist auf obiger Abbildung gut erkennbar) auf "Lock" gedreht werden, damit die gewählte Blende am Objektiv eingestellt wird (in der Stellung "Open" ist am Objektiv die Offenblende eingestellt). Die Fokussierung erfolgt über den Aufnahmeabstand, was eigentlich recht gut funktioniert.

Sehr praktisch ist z.B. auch die Verwendung des Objektiv an den spiegellosen Systemkameras von Canon. Da diese Kameras wiederum ein anderes Bajonett verwenden (EF-M) wird dazu ein weiterer Adapter (EF auf EF-M) benötigt. Ich verwende diese Kombination gerne an meiner Canon M3. Da ich diese Kamera häufig als Zweitkamera mitführe habe ich so stets ein sehr kompaktes und leistungsfähiges Makrosystem griffbereit:

In gleicher Weise können natürlich auch andere FD-Objektive an das EF-Bajonett adaptiert werden (ggf. wird ein Retroadapter mit einem anderen Filtergewinde benötigt). Getestet habe ich bisher noch das 35mm 1:2,8, welches ebenfalls ein 52mm Filtergewinde besitzt. Der Abbildungsmaßstab ist dann höher, die Fokussierung wird allerdings ohne Makroschlitten schwierig (zudem ist die Schärfentiefe dann sehr gering).


Frank Theisohn, 2016